Kiefer- und Zahnfehlstellungen
(teilw. überarbeitet 2017)

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Behandlung der Fehlstellungen

  Warum muss eine Behandlung erfolgen?
  Ursachen der Kiefer- und Zahnfehlstellungen
 
angeborene Fehlstellungen
 
erworbene Fehlstellungen
      Fehlstellungen durch Lutschen
   
  Zu früher Milchzahnverlust

  Wie lange dauert eine Behandlung?
  Wann sollte damit begonnen werden?
  Kosten - wer zahlt was?
  herausnehmbare oder  festsitzende
    Behandlungsapparaturen?
  Vor- und Nachteile

  Zahnpflege beim Tragen von Regulierungen
  Müssen Weisheitszähne entfernt werden?
  Behandlung erwachsener Patienten
  Beispiele für Behandlungsapparaturen

  Ausführliche Infos: www.de-cassan.de

Neben den ausschließlich angeborenen Kieferfehlentwicklungen sind es vor allen Dingen ein frühzeitiger Zahnverlust der Milchzähne durch Karies und ein nicht rechtzeitig abgestelltes Nuckeln, welche in der Folge bei entsprechender genetischer Konstitution zu behandlungsbedürftigen Kiefer- und Zahnfehlstellungen führen. Es gehört zu den Aufgaben der Fachzahnärzte für Kieferorthopädie und der kieferorthopädisch tätigen Zahnärzte, Fehlstellungen der Zähne und der Kiefer mit dem Ziel zu behandeln, im Einzelfall ein möglichst optimales Ergebnis hinsichtlich der Beiß- und Kaufähigkeit, wie auch des Aussehens zu erreichen.
In Deutschland wird etwa bei der Hälfte aller Kinder eine Korrektur von Kiefer- und Zahnfehlstellungen für erforderlich gehalten. Diese erfolgt etwa zu einem Drittel mit herausnehmbaren und zu zwei Dritteln mit festsitzenden Apparaturen.
Viele der kieferorthopädischen Behandlungen ließen sich vermeiden bzw. verkürzen, wenn Fehlentwicklungen schon im frühen Kindesalter erkannt und - falls machbar - verhindert oder positiv beeinflusst werden.
So vielseitig die Erkrankungen auf diesem Gebiet sind, so verschieden sind auch die jeweiligen Behandlungsmethoden.
Diese Seite soll einen Einblick in das große Feld der Kieferorthopädie geben und befasst sich vornehmlich mit der Verhütung dieser Erkrankungen, welche bei einer nötigen Behandlung sowohl kosten- wie auch zeitintensiv sind. Häufig sind es im Kleinkindalter scheinbare Belanglosigkeiten, welche sich später auf die Mundgesundheit der Heranwachsenden gravierend auswirken.
Am Ende dieser Seite wird auf die nicht unerheblichen Kosten dieser mehrjährigen Behandlung eingegangen und Vor- bzw. Nachteile der versch. Methoden erklärt.


Bei den Kiefer- und Zahnfehlstellungen zeigt sich deutlich, dass eine Prophylaxe im jungen Alter der erfolgreichste und preiswerteste Weg für eine lebenslange Mundgesundheit ist:

Abgewöhnung der Lutschgewohnheiten und Verhütung einer Milchzahnkaries durch rechtzeitige Mundpflege sowie gesunder, zuckerarmer Ernährung verbunden mit einer unterstützenden Fluoridierung sind relativ einfach durchzuführen und können dem Heranwachsenden später erhebliche Unbequemlichkeiten ersparen oder mildern, die mit einer kieferorthopädischen Behandlung verbunden sind und den Erziehungsberechtigten teilweise schmerzliche Eingriffe in ihre Geldbeutel.


Warum muss eine Behandlung erfolgen



  • bedingt durch einen Engstand der Zähne entstehen Schmutznischen (Abb. rot), die sowohl der Selbstreinigung durch den Speichel und beim Kauen, wie auch der täglichen Mundhygiene nicht zugänglich sind und so Karies und Zahnfleischerkrankungen im Gebiss begünstigen.

 

  • vor allen Dingen Kieferfehlstellungen lassen die Zähne nicht richtig "aufeinanderbeißen". Dies führt zu Problemen beim Abbeißen und beim Zerkauen der Nahrung.
    Wie auf der Abbildung ersichtlich, ist bei dieser Stellung des Unterkiefers zum Oberkiefer kein Abbeißen möglich, da die unteren Schneidezähne vor die unteren beißen und sich der Unterkiefer nicht weiter zurückverlagern lässt.

  • Bei gewissen Stellungen der Kiefer und Zähne zueinander - z.B. beim Deckbiss oder Tiefen Biss - beißen die Zähne in das Zahnfleisch oder die Lippe des Gegenkiefers, was zu ständigen Entzündungen an den Weichteilen führt. Weiter sind derartige Zahnstellungen kosmetisch unbefriedigend

  • Eine ungleichmäßige Belastung einzelner Zähne oder Zahngruppen kann Zahnbetterkrankungen und Kippungen von Zähnen auslösen.

  • Zahnfehlstellungen und eine falsche Lage der Kiefer zueinander können zu erheblichen Sprachstörungen führen.

  • Fehlstellungen wirken sich häufig auch kosmetisch störend aus. Das sog. "Vogelgesicht" sei nur ein Beispiel dafür.
  • Bei Zahnlücken, in welche die angrenzenden Zähne gekippt sind oder stark nach vorn stehenden Schneidezähnen, kann es u.U. auch bei einem Erwachsenen sinnvoll sein, die ungünstig stehenden Zähne wieder zu richten, um so z.B. bessere Voraussetzungen für eine prothetische Behandlung zu erreichen.

Wie entstehen Fehlstellungen

Nicht richtig stehende Zähne und falsch zusammenpassende Kiefer - der Arzt bezeichnet dies als Anomalien (= von der Norm abweichend) - können angeboren sein oder aber erst im Laufe des jungen Lebens erworben werden. Neben genetisch bedingten Fehlstellungen des Kiefers sind etwa 40 Prozent der kieferorthopädischen Behandlungen auf Lutschen oder schlechte Pflege der Milchzähne zurückzuführen.
Meist handelt es sich bei den Anomalien um eine Kombination von erworbenen Fehlstellungen und einer genetischen Bereitschaft zur Veränderung. So konnte z.B. beobachtet werden, dass
Kinder mit einem angeborenen Schmalkiefer wesentlich anfälliger auf schlechte Gewohnheiten (=
Habits) reagieren als Kinder mit einem normalen Kiefer.

angeborene Fehlstellungen

  • zu den typischen Vertretern zählen die Progenie - ein zu großer, ausgeprägter Unterkiefer, bei welchem die unteren Schneidezähne vor die oberen beißen, das sog. "Habsburger-Kinn" oder "Habsburger-Lippe" - (Abb. innen-oben), der Deckbiss, bei  welchem die oberen Schneidezähne die unteren überdecken (Abb. innen-unten) und der Distalbiss (= Rückbiss des Unterkiefers) mit lückig vorstehenden oberen Schneidezähnen (Abb. außen-oben).


    Hinzu kommt noch die Gruppe der angeborenen Missbildungen, wie z.B. die Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (Abb. außen-Mitte) oder eine Nichtanlage der Zähne (Abb. außen-unten).




  • Eine frühzeitige Vorstellung bei einem Zahnarzt ist bei derartigen Erkrankungen sehr wichtig: häufig lassen sich so durch einen rechtzeitigen kleineren Eingriff - auch schon im Kindergartenalter - entscheidende Weichen stellen und helfen, spätere langwierige Behandlungen zu mildern.

 


Progenie


Oben: normaler Überbiss
Unten: Tiefbiss


ausgeprägter Rückbiss


Lippen-Kiefer-Gaumenspalte


Nichtanlage der seitlichen Schneidezähne

   

erworbene Fehlstellungen

Es gibt viele Faktoren, die zu Anomalien führen können; am gravierendsten sind jedoch ein frühzeitiger Verlust der Milchzähne und sog. Habits (= schlechte Gewohnheiten), wie das Lutschen am Finger, das Einsaugen und Beißen auf die Unterlippe oder ein Zungenpressen, welche zu erheblichen Fehlstellungen und aufwendigen späteren Behandlungen führen können.


Fehlstellungen durch Lutschen
  • bei über 50% der Kindergartenkinder werden nach mehreren Untersuchungen Lutschgewohnheiten festgestellt, die Fehlzustände hervorrufen oder ererbte Fehlstellungen verschlimmern können. Dabei überwiegt im frühen Kindesalter das Lutschen am Daumen, während dieser bei den Sechsjährigen zugunsten von Beruhigungssaugern und einem Fingerlutschen an Bedeutung verliert.
    Wenn auch das Lutschen bis zu einem Zeitpunkt von 2- 3 Jahren als ungefährlich betrachtet wird ("wächst sich aus"), so kann diese Unart - über Jahre konstant ausgeübt - zu schweren Verbiegungen der Kiefer bzw. Zahnstellungen und einer erheblichen Rückwärtsverlagerung des Unterkiefers (= Rückbiss) führen. Bekanntestes Erscheinungsbild ist der lutschoffene Biss (Abb. Mitte): ein Abbeißen von Nahrung ist unmöglich, viele Laute können mit der Zunge nicht richtig gebildet werden, es stellen sich teils erhebliche Sprachstörungen (z.B. Lispeln) ein.
    Siehe auch unter: "Wie lange darf gelutscht werden?"
  • Eine Beeinflussung dieser Unarten ist häufig schwierig; am wenigsten erfolgversprechend durch Einpinselungen der betreffenden Finger mit teuren Präparaten aus der Apotheke!
    Das Kind braucht eine besondere Zuwendung durch ihm nahestehende Personen bzw. des Zahnarztes/Zahnärztin und muss liebevoll daran gewöhnt werden, Verbote zu beachten. Bewährt haben sich u.a. Methoden, welche ein Versprechen zur Abgewöhnung dokumentieren: in einem Lutschkalender werden die Tage angekreuzt, an welchen nicht genuckelt wurde; entsprechende Belohnungen unterstützen die Bemühungen. Ist der Übeltäter nicht ein Finger sondern ein "Schnulli", so wird dieser z.B. im Garten vergraben mit der Begründung, dass das Babyalter nun vorbei sei.
    Unterstützend kann zahnärztlicherseits eine Mundvorhofplatte rasche Hilfe bringen: dieses Behandlungsgerät ähnelt einem Schnuller, durch eine spezielle Formung hindert es die Zunge daran, zwischen die Schneidezähne zu rutschen; von den noch nuckelnden Kindern wird es häufig als "angenehme Abgewöhnung" empfunden.
  • Special: "Anti-Nuckel-Tipps"

Bild-Klick!
Lutschfolgen an Fingern und Zähnen ("Lutschprotrusion")


Bild-Klick!
lutschoffener Biss


Mundvorhofplatte

 
Zu früher Milchzahnverlust
  • gehen die Milchzähne - in der Regel durch Karies - zu früh verloren, ergeben sich zwei große Probleme:
    dadurch dass die Milchbackenzähne verloren gehen, fehlt eine Abstützung der Kiefer zueinander (= Verlust der Stützzone). Der Unterkiefer nähert sich zu stark dem Oberkiefer und rutscht nach hinten, die unteren Schneidezähne beißen in den Gaumen und drücken die oberen Schneidezähne nach außen, welche wiederum auf die Unterlippe beißen. Es entsteht im Profil ein "fliehendes Gesicht", das sog. Rückgesicht.
  • fehlen einzelne Milchbackenzähne oder sind diese durch Karies erheblich zerstört, so brechen die ersten bleibenden Zähne - nach dem Prinzip des geringsten Widerstandes - in den freien Raum durch und versperren so den erst später durchbrechenden Zähnen den Weg. Diese suchen sich einen neuen Platz - meist außen oder innen von der regulären Zahnreihe - oder bleiben aus Platzmangel im Kiefer liegen. Es kommt zu sog. Engständen dadurch, dass die Platzhalterfunktion der Milchzähne verloren gegangen ist.
  • Siehe auch unter Erhaltung von Milchzähnen im Lexikonteil


Behandlung der Fehlstellungen

Die kieferorthopädische Behandlung berücksichtigt stark die Wachstumsvorgänge des Gesichtsschädels und macht sich diese zu Nutze - ja es gibt Therapieformen, welche vorwiegend diese Körperkräfte zur alleinigen Umformung ausnutzen. So vielseitig die einzelnen Erkrankungen und deren Ursachen sind, so unterschiedlich sind auch die einzelnen Therapien. Grundsätzlich lassen sich festsitzende Apparaturen von herausnehmbaren unterscheiden. Während einer Gesamtbehandlung, die etwa 3-4 Jahre dauert, werden mitunter auch beide Arten angewandt. Jede der beiden Methoden hat ihre Vor- und Nachteile, welche es mit dem Wissen und der Erfahrung des Behandlers gilt gegeneinander abzuwägen, um so eine dem jeweiligen Behandlungsfall angepasste Therapieform durchzuführen.
Der Behandlungsbeginn liegt i.d.R. zwischen dem 9. und 10. Lebensjahr; bei bedeutenden angeborenen Anomalien häufig in einer 1. Stufe schon im Kleinkindalter.
Völlig unabhängig davon sind auch Behandlungen im Erwachsenenalter in den meisten Fällen möglich. Hierbei stehen meist ästhetische Gesichtspunkte im Vordergrund.


Wie lange dauert eine Behandlung und wann sollte damit
begonnen werden?
  • Grob gesagt kann man bei den meisten Fällen von gut drei Jahren Behandlungsdauer ausgehen; evtl. schließt sich daran bei rückfallgefährdeten Patienten eine "Stabilisierungsbehandlung" (mit einem Retainer) an. Diese Geräte können festsitzend oder herausnehmbar sein und sind kosmetisch wie funktionell kaum störend.
  • wie oben beschrieben, ist der günstigste Zeitpunkt bei normalen Fällen um das 10. Lebensjahr. Ein zu früher Behandlungsbeginn - häufig wegen "schiefer Zähne" von den Eltern gewünscht - birgt die große Gefahr eines Rückfalls (Rezidiv), ein zu später Behandlungsbeginn ist langwieriger durchzuführen und stößt wegen kosmetischer Beeinträchtigungen auf die Eitelkeit der Heranwachsenden.
  • Eine Behandlung im Milchzahngebiss ("Frühbehandlung") ist selten und wird z.B. bei ausgeprägtem Fehlstellungen mit vorstehendem Kinn oder bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten durchgeführt. Davon unberührt bleibt das Abgewöhnen von "schlechten Angewohnheiten" und ggf. ein Einschleifen einzelner Zähne im Sinne einer Frühbehandlung.
Übernimmt meine Krankenkasse die Kosten für eine Regulierung?
  • Bei den Privaten Krankenkassen hängt dies von der persönlichen Tarifgestaltung ab; hier kann es große Unterschiede geben! Prinzipiell bestehen aber keine Einschränkungen - auch nicht bei Erwachsenen. Auf jeden Fall sollte vorher eine Kostenabklärung erfolgen!
  • Komplizierter verhält es sich bei den Gesetzlichen Krankenkassen:

    Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres werden primär 80% (wenn mehrere Kinder in Behandlung sind: 90%) übernommen und nach einem erfolgreichen Abschluss auch der Restbetrag (= Selbstbehalt während der Behandlung) dem Versicherten erstattet.

    Keine Kostenübernahme ("Privatleistung"), wenn
    eine leichte Zahnfehlstellung vorliegt, die aus ästhetischen Gründen zwar behandelt werden kann, deren Behandlung allerdings nur als Privatleistung angeboten wird,
    oder
    eine Zahnfehlstellung vorliegt, die aus medizinischen Gründen eine Korrektur erforderlich macht, deren Behandlungskosten jedoch wegen des geringeren Ausprägungsgrades der Zahn- und/oder Kieferfehlstellung nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden

    Kostenübernahme, wenn
    eine ausgeprägte Zahn- und/oder Kieferfehlstellung vorliegt, die aus medizinischen Gründen eine Behandlung erforderlich macht,
    oder
    eine stark ausgeprägte Zahn- und/oder Kieferfehlstellung vorliegt, die aus medizinischen Gründen dringend eine Behandlung erforderlich macht,
    oder
    eine extrem stark ausgeprägte Zahn- und/oder Kieferfehlstellung vorliegt, die aus medizinischen Gründen unbedingt eine Behandlung erforderlich macht
    http://www.kfo-online.de

    Erwachsene (ab dem 19. Lebensjahr) gehen grundsätzlich leer aus, es sei denn, es handelt sich um so schwere Kieferfehlbildungen, dass diese nur kombiniert kieferchirurgisch / kieferorthopädisch behandelt werden können. Diese Fälle sind sehr selten und erfolgen meist im Anschluss an einen Klinikaufenthalt.

    Abgrenzungen sind häufig schwierig. In Grenzfällen ist daher mit einer vorherigen Begutachtung zu rechnen
herausnehmbare oder  festsitzende Behandlungsapparaturen?
  • eine Behandlung kann grundsätzlich mit herausnehmbaren oder festsitzenden Systemen durchgeführt werden; ebenso sind Kombinationen beider Methoden möglich. Bei der Verschiedenartigkeit der Kieferanomalien gibt es keine generelle Empfehlung für die oder die Methode. Die Entscheidung bleibt in jedem Einzelfall dem erfahrenen Behandler nach gründlicher Untersuchung und aufwendiger Auswertung der Ergebnisse vorbehalten. Die Vor- und Nachteile - die es sorgfältig gegeneinander abzuwägen gilt - sind nachfolgend aufgeführt:

Herausnehmbare Geräte
("Zahnspangen", "aktive Platten")

Festsitzende Apparaturen

nach Herausnahme ist eine gute Mundhygiene an allen Zähnen möglich; die Gefahr einer behandlungsbedingten Karies ist gering Da eine Einwirkung von 24 Stunden am Tag erfolgt, sind in kürzerer Zeit gewünschte Veränderungen möglich; dies ist besonders bei Erwachsenen von Vorteil, da deren Kieferknochen widerstandsfähiger als bei Kindern ist
Zu bestimmten Anlässen kann das Gerät herausgenommen werden, um so z.B. beim Sport keine Verletzungen oder beim Sprechen keine Einschränkung zu bedeuten nur geringe Sprachbehinderung beim Tragen
Da die Geräte nicht so intensiv an den Zähnen angreifen, sind behandlungsbedingte Zahnlockerungen selten Ein Vergessen oder Verlieren ist unmöglich
Vorwiegend bei Kindern in Gebrauch Wegen der kürzeren Behandlungszeit und der größeren Effektivität bei komplexen Zahnverschiebungen. Mittel der Wahl bei der Erwachsenenbehandlung
Eine aktive Mitarbeit ist nötig; Vergessen des Klammertragens oder unregelmäßige Anwendung kann den Behandlungserfolg stark gefährden Schwierig durchzuführende Mundhygiene; bei ungenügender Hygiene stehen die Zähne nach Abschluss der Behandlung zwar gerade aber sind u.U. stark von Karies befallen
Verlust oder Beschädigung sind bei nicht sorgsamen Umgang möglich Harte Nahrung (Äpfel, Vollkornbrot usw.) kann die Apparatur beschädigen; eine Reparatur der Geräte kann meist nur im Mund und durch den Behandler erfolgen
Längere dauernde Behandlung als mit festsitzenden Geräten kosmetisch störend; das Gerät kann nicht zu besonderen Anlässen "mal schnell" herausgenommen werden
Zahnpflege beim Tragen
von Regulierungen

Unabdingbar für den Erfolg einer kieferorthopädischen Behandlung ist eine besonders sorgfältige Zahnpflege während der Behandlung - wird diese Empfehlung missachtet, passiert es nicht selten, dass sich an die Regulierungsbehandlung noch gleich eine aufwendige weitere Therapie mit Wurzelkanalbehandlungen und Kronen anschließt! Besonders intensiv muss die Mundhygiene bei festsitzenden Apparaturen stattfinden, denn diese bieten viele Schlupfwinkel für die berüchtigten Kariesbakterien:
  • Die Bänder, Brackets und Zahnbögen bei festsitzenden Apparaturen lassen die Plaque besonders gut wachsen, da durch diese die Selbstreinigung der Zähne beim Kauakt stark eingeschränkt und die normale Zahnbürste zu groß für eine vollständige Reinigung ist. Bei mangelnder Mundhygiene bilden sich innerhalb weniger Tage oberflächliche Entkalkungen - besonders an den Übergangsstellen der aufgeklebten Brackets zum Zahnfleisch hin.
  • Wenn auch herausnehmbare Apparaturen den Vorteil haben, zum Reinigen herausgenommen werden zu können und so auf den ersten Blick aus zahnhygienischer nicht bedenklich sind, so ist aber die natürliche Zahnreinigung durch den Speichel während der Tragephase stark eingeschränkt.
  • Ein gründliches Zähneputzen nach jeder Mahlzeit verbunden mit der richtigen Zahnputztechnik und entsprechenden Hilfsmitteln ist daher unbedingt erforderlich! Elektrische Zahnbürsten haben meist einen kleineren Borstenkopf, womit unzugängliche Stellen besser erreicht werden können.
    Gerade bei festsitzenden Apparaturen können normale Zahnbürsten nur wenig ausrichten. Zur Anwendung kommen Bürsten mit kleinem Kopf für die "Grobreinigung" und spezielle Bürstchen ("Zahnzwischenraumbürstchen", siehe Abb. u. li.) für die Gebiete unter den Apparaturen. Ein leichtes Bluten dabei ist ungefährlich, da das Zahnfleisch generell während einer kieferorthopädischen Behandlung empfindlicher reagiert.
  • Als zusätzliches Hilfsmittel haben sich für den Hausgebrauch Mundduschen bewährt (siehe Abb. u. re.), und eine etwa ¼ jährliche spezielle Reinigung in einer Zahnarztpraxis mit Pulverstrahlgeräten bringen einen zusätzlichen Schutz ebenso, wie regelmäßige Fluoridbehandlungen mit spez. Gelees oder Spüllösungen.
      
         

müssen die
Weisheitszähne
bei jeder
kieferorthopädischen
Behandlung
entfernt werden?
  • In der zahnärztlichen Wissenschaft wird dieses Problem sehr unterschiedlich diskutiert. Es gibt Untersuchungen, die zu belegen scheinen, dass es durch den erheblichen Wachstumsdruck der durchbrechenden Weisheitszähne wieder zu negativen Veränderungen bei der Stellung der regulär im Zahnbogen stehenden übrigen Zähne kommt. Andere Lehrmeinungen halten diesen Effekt für nicht so bedeutsam. Auf jeden Fall sollten die Weisheitszähne mit in das kieferorthopädische Gesamtkonzept einbezogen werden, um ggf. prophylaktisch bei einem zu kleinen Kiefer bzw. bei späteren Veränderungen in der Zahnstellung reagieren zu können.
Behandlung erwachsener 
Patienten

  • Grundsätzlich können kieferorthopädische Behandlungen auch noch im frühen Erwachsenenalter durchgeführt werden. Da der Kieferknochen sich mit zunehmenden Alter verfestigt und für Umformungsprozesse widerstandsfähiger wird, ist mit einer längeren Behandlungsdauer zu rechnen, bzw. werden nicht mehr so intensive Veränderungen wie bei Jugendlichen geplant.

  • Die Behandlung selbst erfolgt fast ausschließlich mit festsitzenden Behandlungsgeräten. Hierbei ist der durch die Apparatur bedingte negative kosmetische Faktor nicht zu unterschätzen!

  • Eine Kostenübernahme durch die Gesetzlichen Krankenkassen ist nicht gegeben, es sei denn, es handelt sich um so schwere Kieferfehlbildungen, dass diese nur kombiniert kieferchirurgisch / kieferorthopädisch behandelt werden können. Diese Fälle sind sehr selten und erfolgen meist im Anschluss an einen Klinikaufenthalt. Private Versicherungen zahlen je nach abgeschlossenem Tarif.

  • Seit einigen Jahren befindet sich eine Behandlung mit durchsichtigen Schienen (s. Abb.) auf dem Markt, welche sich besonders aus kosmetischen Gründen bei Erwachsenen eignen. Mehr dazu im Lexikonteil unter "Invisalign" .
  • Der Bund Deutscher Kieferorthopäden (BDK) veröffentlichte in 2010 folgende Pressemeldung:
    "Die erwachsenen Patienten in kieferorthopädischen Praxen werden älter: Waren sie noch vor wenigen Jahren durchschnittlich 18 bis 25 Jahre alt, hat sich die Altersklasse heute auf 35 bis 50 Jahre verschoben. Gründe dafür gebe es mehrere, sagt Dr. Gundi Mindermann, Vorsitzende des Berufsverbandes der deutschen Kieferorthopäden (BDK): Moderne Verfahren und Entwicklungen hätten zum einen die Möglichkeiten erheblich erweitert. Zum anderen wüssten die meisten Zahnärzte heute auch, dass die Kieferorthopädie ein sehr hilfreicher Partner bei der Zahnersatzversorgung sein kann. Zahnfehlstellungen könnten in jedem Alter aufgrund von Fehlbelastungen zu Knochenveränderungen führen, ebenfalls in jedem Alter aber auch korrigiert oder gemildert werden, da das natürliche Zellwachstum lebenslang beeinflussbar bliebe. Mindermann: "Die Nachfrage seitens der Erwachsenen nimmt deutlich zu, und in der Tat gibt es in unserem spezialisierten Bereich viele Angebote für die Verbesserung von Vorsorge und Therapie." Wichtig sei auch die wachsende Anzahl erhaltener natürlicher Zähne bei der älteren Bevölkerung und die Konsequenzen für den Zahnstand. Mindermann : "Im Zusammenspiel mit den biologischen, altersbedingten Umbauprozessen im Kieferknochen kann sich die Position der eigenen Zähne ungünstig verschieben, dann ist die Hygienefähigkeit, oft auch die Kaufunktion belastet."
   

Beispiele für Behandlungsapparaturen

herausnehmbar festsitzend


Aktivator



aktive Platte ("Spange", Klammer")


oben: Keramikbrackets
unten: Metallbrackets


Prinzip der Multibandapparatur


Lingualtechnik
(das Behandlungsgerät ist unsichtbar)

 


Die KFO erfindet sich neu - Mehr als nur Zahnspangenmedizin (zm, 2016)


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