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Einteilung und Erscheinungsbilder von Zahnfleischerkrankungen

Special: Einteilung der Zahnfleischerkrankungen (international)

Inhalte dieser Seite:  

Gingivitis - die häufigste menschl. Entzündung
SK2-Leitlinie (Aphthen)
Parodontitis - ein kurzer Überblick.
Parodontitis des Erwachsenen (AP)
Refraktäre ("behandlungsresistente") Parodontitis.
Parodontitis bei Jugendlichen (LJP)

Parodontitis im Milchgebiss (PP)
Schnell verlaufende Parodontitis (RPP)
Parodontitis bei allgemeinen Erkrankungen
Die Parodontose.
Behandlungsschemata
Parodontitis auslösende Keime

Weiterführende Links


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Innerhalb der Zahnmedizin ist das systematische Erforschen und Erkennen von Zahnfleischerkrankungen noch eine relativ junge Wissenschaft. Durch moderne Untersuchungs- und Diagnosemethoden wurde es möglich, die Ursachen für eine derartige Erkrankung sicherer zu bestimmen, die verschiedenen Formen der Entzündungen voneinander zu unterscheiden und daraus entsprechende Behandlungskonsequenzen abzuleiten.
Viele Haut- bzw. Allgemeinerkrankungen zeigen sich sich u.a. als Veränderungen der Mundschleimhaut; oft schon eher, bevor sie an der eigentlichen Krankheitsstelle auftreten.
Als gesichertes Wissen gilt, dass bei Zahnfleischerkrankungen der körpereigenen Abwehr und dem lymphatischen System eine zentrale Bedeutung zukommen; die früher vertretene Auffassung, dass die Zahnbeläge und deren Entfernung allein für die Schwere einer Erkrankung verantwortlich sind, wurde zugunsten eines multifaktorellen Geschehens relativiert. Der Abbau des Zahnhalteapparates ("Zahnfleischschwund", Zahnlockerung usw.) wird als eine "überschießende"  Reaktion des Körpers auf die Bakterienangriffe gewertet:
Durch komplexe Abläufe innerhalb des Immunsystems wurden gewisse Toleranzmechanismen entwickelt um einerseits in der Mundhöhle natürlich vorkommende (und nützliche) Bakterien nicht anzugreifen, dagegen aber für den Organismus bedrohliche zu bekämpfen, andererseits dafür zu sorgen, dass die Immunreaktionen zunächst "in geregelten Bahnen" verlaufen.
Bei tiefen Zahnfleischtaschen und einer damit verbundenen großen Menge von schädlichen Mikroorganismen kann es nun zu massiven Überreaktionen kommen, welche - in Schüben ablaufend - schließlich zum Zahnverlust führen.
Daneben können bei einer Fehlfunktion der Immunabwehr auch zahlreiche Infektionsgeschehen auf andere Organsysteme übergreifen und entsprechende negative  Reaktionen auslösen bzw. "schlummernde" Prozesse zum Ausbruch bringen.

Zahnfleischerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen werden relativ selten beobachtet:
Am häufigsten sind diese auf eine mangelnde Mundhygiene zurückzuführen; schwerere Formen deuten auf systemische Erkrankungen, Medikamenteneinnahme und Immundefekte hin.

Wenn auch auf dieser Seite eine Vielzahl von möglichen Zahnfleischerkrankungen und deren Ursachen aufgeführt sind, so hat es der Zahnarzt in seiner täglichen Praxis zu über 90 Prozent mit der "normalen" Erwachsenen-Parodontitis - hauptsächlich bedingt durch eine mit Bakterien reichlich versehene Plaque - zu tun. Mit einem frühzeitigeren Eingreifen durch den Zahnarzt, der Motivation und Anleitung des Patienten zu gründlicherer Mundhygiene und einer langfristigen Betreuung durch das zahnärztliche Team können Folgeerscheinungen der P. wie Gewebeschäden, Knochenabbau und Zahnverlust in den meisten Fällen verhindert werden.




Gingivitis

 

 



akute Gingivitis

 

 

 




ANUG



Gingivitis ulcerosa



Stomatitis
ulcerosa
als
Folge einer Säureverätzung

 

 

 

 



ausgeprägte
hormonell
bedingte
Parodontopathie
im mens IX

 



hormonelle Gingivitis
(Pubertät)

 

 



desquamative
Gingivitis

Eine der häufigsten Erkrankungen des Körpers.
Unterteilung in
akute, akute nekrotisierende ulzerative (ANUG), chronische, hormonelle und desquamative Gingivitis.
Merkmale:

  • eine akute oder chronische entzündliche Veränderung des unmittelbar an den Zahn angrenzenden Gewebes (Zahnfleisch) besonders im Zahnhalsbereich.

  • Kommt an allen Zähnen und in jedem Lebensalter vor.

  • geht jeder Form der Parodontitis (s.u.) voraus

  •  erkennbar an einer Rötung und Schwellung des Zahnfleisches, Blutung bei Berühren mit der Sonde (gelegentlich auch Spontanblutungen, Taschentiefen ("Pseudotaschen") von 1-3 mm ohne Attachmentverlust, gelegentliche Vereiterungen (Ulzerationen)

Die akute Gingivitis (engl.: acute gingivitis) beginnt meist in den Zahnzwischenräumen; sie ist i.d.R. eine momentane (akute) Form der chronischen Gingivitis; sie bildet sich entweder wieder in ihre chronische Form zurück oder kann sich zur akuten nekrotisierenden ulzerativen (ANUG) Form verschlechtern. Als Ursachen kommen mechanische und thermische Reize im Zusammenwirken mit einer bakteriellen Verunreinigung aus der Plaque in Betracht. Relativ leicht zu behandeln mit guter Mundhygiene und unterstützenden Mundspülungen

Die akute nekrotisierende ulzerative Gingivitis (ANUG,
engl.: shortcut of acute necrotizing, ulcerative gingivitis), welche sich besonders unter einer ungesunden Lebensweise (Stress, Alkohol-, Medikamenten- und Nikotinabusus) entwickelt, aber auch bei einem erschwerten (Weisheits)Zahndurchbruch bei Kindern und Jugendlichen zu beobachten ist, hat in ihrem Erscheinungsbild vielzählige Vereiterungen (Ulzerationen) sowohl der Zahnzwischenräume wie auch der verschieblichen und unverschieblichen Gingiva mit der Tendenz zur Entzündung der gesamten Mundschleimhäute (Stomatitis). Kennzeichen sind neben Schmerzen ein abstoßender Mundgeruch (Foetor ex ore) und ein verminderter Allgemeinzustand mit Fiebersymptomen. Die Schmerzen sind erheblich stärker als bei der "normalen" Gingivitis, eine Mundreinigung ist nur erschert möglich, es bilden sich weitere bakterielle Beläge - der Teufelskreis ist geschlossen. Zur Erstreinigung ist meist eine zahnärztliche Behandlung unter örtlicher Betäubung nötig.
Nekrotisierende ulzerierende Parodontitis (zm, 2016)
Noma

Eine chronische Gingivitis ist bei fast allen Mitteleuropäern vorhanden; sie gilt als die häufigste Entzündung des menschlichen Körpers. Sie gilt als die Vorstufe zu einer Parodontitis marginalis ("Parodontose") und ist meist ohne Beschwerden. Lediglich beim Zähneputzen oder beim Biss in einen Apfel kommt es zu leichten Zahnfleischblutungen. Eindeutige Krankheitsursache ist eine mangelnde Mundhygiene verbunden mit einer konstitutionellen Bereitschaft zu einer derartigen Erkrankung.
Spielen andere Ursachen eine Rolle, so unterscheidet man weiter:

Als Sonderform einer Zahnfleischentzündung gilt die hormonelle Gingivitis, welche in der Schwangerschaft, der Pubertät, im Klimakterium oder bei der Einnahme von empfängnisverhütenden Medikamenten ("Antibabypille") auftreten und sich u.U. in eine hormonelle Parodontitis weiterentwickeln kann (engl.: hormonal factors which influence periodontal diseases). Ursache dafür ist meist das vorübergehend veränderte Zahnfleisch, welches anschwellen kann und die schädigenden Bakterienstoffwechselprodukte können so diesen Schutzwall des Körpers leichter passieren. Zusätzlich können die Hormone auch direkt das Wachstum und die Vermehrung bestimmter Keime (z.B. Prevotella intermedia (als "Frühmarker") im zweiten Schwangerschaftstrimenon) fördern:  Ein vermehrtes Auftreten von Zahnfleischbluten ist die Folge; die Zähne werden aus Angst vor weiterem Bluten weniger geputzt, es siedelt sich vermehrt Plaque an - die Grundlagen für Karies und Zahnfleischerkrankungen sind geschaffen. Grundlage der hormonellen Gingivitis ist meist eine "normale"
chronische Gingivitis; deshalb ist zur Behandlung und Prophylaxe ebenfalls eine gute Mundhygiene unabdingbar.
Einfluss hormonaler Kontrazeptiva auf das marginale Parodontium

Nur selten anzutreffen ist die äußerst schmerzhafte (starkes Mundbrennen, erhebliche Schmerzen) desquamative Gingivitis (engl.: desquamative gingivitis), bei welcher sich die obersten Zahnfleischschichten meist unter Blasenbildung abstoßen; wegen der schmerzhaften Reinigung der Mundhöhle ist die desquamative Form häufig von einer Plaquebedingten, chronischen Gingivitis überlagert. Sie stellt kein eigenes Krankheitsbild dar, sondern ist zu ca. 75% Ausdruck einer systemischen (allgemeinen) Erkrankung. Folgende Krankheitsbilder/Ursachen können auslösend sein:

Eine definitive Diagnose der Erkrankung kann meist nur histologisch gestellt werden. Zur Therapie werden vorgeschlagen:
falls möglich, Beseitigung der auslösenden Ursache
Verbesserung der (atraumatischen) Mundhygiene
lokale oder systemische immunsuppressive Behandlung

An Mikroorganismen sind bei dieser Erkrankung besonders anzutreffen:
Actinimyces, Streptococcus, Veilonella, Fusobakterien, Treponema, Prevotella (als "Frühmarker").

 

Parodontitis oder Entzündung des Zahnhalte-
apparates

 


bewiesene/vermutete Auswirkungen
einer Zahnfleischentzündung  auf den übrigen
Organismus

 

Die unbehandelte Gingivitis ergreift je nach Konstitution und Verhalten des Patienten auf Dauer nicht nur das Zahnfleisch allein an, sondern befällt auch die anderen Teile des Zahnhalteapparates mit einem fortschreitenden Verlust an Zahnhalte- und -stützgewebe: Es entsteht die sog. marginale Parodontitis (marginal = zum (Zahnfleisch)Rand gehörig; Parodontitis = Zahnbettentzündung), welche an einzelnen, mehreren oder allen Zähnen auftreten kann. Die Erkrankung verläuft in Schüben, wobei anatomische, funktionelle und allgemeine Besonderheiten des Patienten den Verlauf und die Schwere des Krankheitsbildes wesentlich beeinflussen. Klinische Beobachtungen deuten eindeutig auf zusätzlich auslösende Faktoren wie Depressionen, Einsamkeit, Stress und Angst für die Schwere und den Verlauf der Erkrankung hin.
Es gibt einen bedeutenden Unterschied zwischen entzündlichen Zahnfleischerkrankungen und klassischen Infektionen: Die meisten klassischen Infektionen spielen sich in Geweben oder Organen ab, die nach der Ausheilung nach außen hin abgeschlossen und damit vor Bakterien geschützt sind. Im Gegensatz dazu handelt es sich beim Parodont um eine auch nach der Therapie gegen außen offen bleibende Struktur. Dies bedeutet, dass nach jeder Parodontalbehandlung, ob medikamentös unterstützt oder nicht, Maßnahmen zur Verhinderung einer Infektion ergriffen werden müssen. In diesem Zusammenlang kommt einer optimalen Mundhygiene, die die Neubildung von Biofilmen wirksam unterdrückt, größte Bedeutung zu.
Ohne das Vorhandensein bestimmter Bakterien ( Leitkeime) entstehen keine entzündlichen Zahnhalteapparat-Erkrankungen. Aber auch Menschen mit gesundem Zahnfleischverhältnissen sind Träger dieser Keime. Es müssen demnach noch weitere Faktoren hinzutreten, damit sich aus einer einfachen Zahnfleischentzündung eine Zahnbetterkrankung entwickeln kann. Das Parodontitis-Risiko ist demnach individuell verschieden und von vielen weiteren Faktoren abhängig. Neben allgemeinen Grunderkrankungen (z.B. nicht eingestellte Zuckerkrankheit), einer Störung des Immunsystems, Stress und Nikotinabusus sind es vor allem genetisch bedingte Risikofaktoren, welche bei ca. 30% der Bevölkerung zu einer Erkrankungen führen ( Parodontitis-Risiko). 
Wenn auch Rauchen als allgemein anerkannter Risiko-Faktor genannt wird, so sind bisher die Entstehungsmechanismen unklar. Es wird vermutet, dass Rauchen die Freisetzung entzündungsauslösender Zytokine (sog. T-Lymphozyten) beeinflusst, welche die Immunreaktion in der Zahnfleischtasche steuern.
 
Neueste Erkenntnisse über die Übertragbarkeit der Krankheitserreger haben gezeigt, dass bei 30% aller untersuchten Partner innerhalb einer Familie bzw. Lebensgemeinschaft dieselben Keime nachgewiesen werden konnten, wie bei dem Erkrankten. Der Übertragungsweg erfolgt über gemeinsam benutztes Essgeschirr und Intimkontakte. Zwar ist noch nicht geklärt, ob es immer zu einer Übertragung der Erkrankung kommt, oder ob hierfür zusätzlich weitere Faktoren hinzukommen müssen. Empfehlungen gehen deshalb dahin, bei Patienten mit schweren, nicht durch mangelnde Mundhygiene bedingten Erkrankungen den Partner in die Therapie mit einzubeziehen - auch dann, wenn dieser kein sichtbares Krankheitsbild aufweist.

man unterscheidet:

Chronische adulte  Parodontitis (AP)
(engl.:
adult periodontitis)

 


Die unbehandelte Gingivitis ergreift je nach Konstitution und Verhalten des Patienten auf Dauer nicht nur das Zahnfleisch allein an, sondern befällt auch die anderen Teile des Zahnhalteapparates mit einem fortschreitenden Verlust an Zahnhalte- und -stützgewebe: es entsteht die sog. marginale Parodontitis, welche an einzelnen, mehreren oder allen Zähnen auftreten kann. Die Erkrankung verläuft in Schüben, wobei anatomische, funktionelle und allgemeine Besonderheiten des Patienten den Verlauf und die Schwere des Krankheitsbildes wesentlich beeinflussen:

  • am häufigsten anzutreffende Form (~ 90%) beim Erwachsenen (= adulte), meist ab dem 30. Lebensjahr; kann einzelne Zähne oder ganze Zahngruppen befallen; bedingt durch die Knochenstruktur i.d.R. an den Backenzähnen im Oberkiefer beginnend. Auslösende Ursache ist auch hier wieder die mit Bakterien reichlich versehene Plaque, welche sich nun nicht mehr nur auf dem Zahnfleisch sondern auch in den der Reinigung schwer zugänglichen Zahnfleischtaschen befindet
  • langsam und in Schüben verlaufend, bei Taschentiefen von 3-5mm bei mäßigem Blutungsindex, mit ständigem Verlust des Zahnhalteapparates (Attachmentverlust, Alveolarknochenverlust) verbunden mit einer Beweglichkeit (Lockerung) bis hin zum Verlust des gesamten Zahnes.
  • der Schweregrad der Erkrankung wird durch eine Messung der Taschentiefe bestimmt
  • die Konzentration krankheitserregender Markerkeime ist leicht erhöht
  • starker Nikotingenuss wird als begünstigender Faktor angesehen
  • gut ansprechbar auf zahnärztliche Behandlungsmaßnahmen bei entsprechender häuslicher Mitarbeit (Mundhygiene!)

An Mikroorganismen sind bei dieser Erkrankung besonders anzutreffen:
Treponema, Prevotella (als "Frühmarker"), Porphyromonas ginigivalis, Bacteroides forsytus, Peptostreptococcus micros, Campylobacter rectus, Actinobacillus actinomycetemcomitans, Eikenella corrodens, Fusobacterium, Selenomas, Eubakterium.

 

Refraktäre  marginale Parodontitis
(engl.: refractory periodontitis)


 

Hierbei handelt es sich um eine schwere Verlaufsform der AP, welche sich besonders durch eine Behandlungsunempfindlichkeit gegenüber konventionellen Methoden (= refraktär) auszeichnet. Es kommt zu einem raschen Abbau des Zahnstützgewebes; ohne Therapie mit speziellen Antibiotika zur Bekämpfung der Markerkeime ist eine Erhaltung der Zähne meist nicht möglich:
  • trotz gründlicher und lang anhaltender Therapie geht das Stützgewebe des Zahnhalteapparates ständig weiter zurück
  • häufiger Verlust einzelner Zähne oder Zahngruppen
  • die Konzentration krankheitserregender Markerkeime ist stark erhöht
  • neben einer extrem guten Mundhygiene und einem gründlichen Reinigen der Wurzeloberfläche und der Zahnfleischtaschen ist der Einsatz von Antibiotika zur Beseitigung von Markerkeimen nach vorheriger Testung angezeigt.

An Mikroorganismen sind bei dieser Erkrankung besonders anzutreffen:
Actinobacillus actinomycetemcomitans, Porphyromonas ginigivalis, Prevotella intermedia, Bacteroides forsytus, Campylobacter rectus, Peptostreptococcus micros, Stäbchen aus dem Magen-Darm-Trakt, Candida.

präpubertäre Parodontitis (PP)
(engl.: prepubertal periodontitis)


 

Sehr selten auftretende Erkrankung des Zahnhalteapparates im Milch- / Wechselgebiss im Alter zwischen 4 und 10 Jahren. Neben genetischen Faktoren ist die Zahl der Markerkeime stark erhöht.
Befallen werden vor allem die Schneidezähne sowie 1. Molaren der ansonsten systemisch gesunden Kinder/Jugendlichen.

Lokalisierte, juvenile Parodontitis (LJP)
(engl.:
localized juvenile periodontitis)


Diese Form befällt Jugendliche (= juvenil) zum Beginn der Pubertät mit einem Prozentsatz von ca. 0.5 und hat häufig ihren Ursprung schon im Milch- / Wechselgebiss als präpubertäre Parodontitis. Das weibliche Geschlecht ist mit dem Faktor 4 bevorzugt:
  • befällt sonst gesunde, jugendliche Patienten im Alter zwischen 10 und 20 Jahren
  • besonders rasch verlaufend mit massivem Verlust des Zahnhalteapparates und Ausbildung tiefer Zahnfleischtaschen im Eckzahn- und Backenzahnbereich
  • Als der Hauptleitkeim gilt der anaerobe Actinobacillus actinomycetemcomitans, welcher sich nach vorheriger Bestimmung relativ sicher mit den Antibiotika Doxycyclin, oder einer Kombination aus Amoxicillin u. Metronidazol behandeln lässt. Diese Kombination ist allerdings häufig mit erheblichen Nebenwirkungen (Allergien, Magen-Darm-Störungen) verbunden; eine neuere Antibiotikagruppe - die Fluorquinolone - scheint bei gleich guten Resultaten diese Nachteile nicht zu haben
  • Der Hauptleitkeim besitzt ein hohes Übertragungspotential; Familienmitglieder und sonstige intime Kontaktpersonen bedürfen einer guten Infektionsprophylaxe ( Full Mouth Desinfection).
Schnell verlaufende, progressive oder aggressive  Parodontitis (RPP, AgP)
(engl.:
rapidly progressive periodontitis)


früher als Parodontitis marginalis progressiva bezeichnet. Die Unterscheidung zur chronischen Parodontitis sind fließend und häufig diagnostisch primär nicht abgrenzbar.
  • häufig nach einer durchgestandenen LJP im Alter von 20-35 Jahren mit einer Häufigkeit von 1-8% auftretend
  • betrifft alle Zähne und zeichnet sich durch mehrere aktive Schübe aus 
  • massiver Alveolarknochenverlust, Attachmentverlust (9-12 mm innerhalb von 6 Monaten möglich), starke Zahnfleischblutung und -entzündung
  • hohe Konzentration an Markerkeimen und Spirochäten (Schraubenbakterien)
  • ebenso bei HIV-positivem Befund auftretend: "HIV-associated periodontitis"

An Mikroorganismen sind bei dieser Erkrankung besonders anzutreffen:
Actinobacillus actinomycetemcomitans, Porphyromonas ginigivalis, Bacteroides forsytus, Campylobacter rectus, Eikenella corrodens.

Nekrotisierende ulzerierende Parodontitis (zm, 2016)

Parodontitis als Folge allgemeiner Erkrankungen


Lichen der Zunge
Das Zahnfleisch - oder auch die Mundschleimhaut generell - wird auch als "Spiegel des Körpers" bezeichnet. Viele Allgemeinerkrankungen haben deshalb auch ihre Auswirkungen auf die Mundschleimhaut oder den Zahnhalteapparat, so z.B. Erkrankungen des Immunsystems, Mangelernährung verbunden mit Vitaminmangelerscheinungen, Stoffwechselerkrankungen (z.B. schlecht eingestellte Zuckerkrankheit), Medikamenten-, Nikotin- und Alkoholabusus, Medikamentennebenwirkungen (z.B. Kalziumblocker), virale Erkrankungen (z.B. Herpes, HIV-1). Als Beispiel sei die belegte Zunge bei Blinddarmentzündung (Appendizitis) sowie Pilzerkrankungen des Mundes (Candidiasis) und Formen von Autoimmunerkrankungen genannt. Daneben gibt es eigenständige Erkrankungen der Mundschleimhaut, wie Lichen ruber planus oder die Leukoplakie.
Parodontose auch involutive Parodontopathie; kaum behandelbarer Rückgang des Zahnhalteapparates mit letztendlichem Ausfall der Zähne ohne irgendwelche Spuren einer Entzündung; die Ursachen sind alters- und genetisch bedingt. Laienhaftes Schlagwort für jegliche Form einer Zahnfleischentzündung bzw. eines -schwundes.

Erkrankungen auslösende Keime
nach Benz/Wöhrl (München) in ZMK 9/00 S.538

Markerkeime

Erreger Art / Form Lebensklima Gefährlichkeit
Actinobacillus  actinomycetemcomitans gram - ; Stäbchen fakultativ anaerob +++
Porphyromonas gingivalis gram - ; Stäbchen anaerob +++
Prevotella intermedia ("Frühmarker") gram - ; Stäbchen anaerob ++
Bacteroides forsythus gram - ; Stäbchen anaerob ++
Treponema denticola gram - ; Schrauben anaerob ++
Campylobacter rectus gram - ; Schrauben anaerob ++
Fusobacterium nucleatum gram - ; Stäbchen anaerob +
Selemonas species gram - ; Stäbchen anaerob +
Eikenella corrodens gram - ; Stäbchen fakultativ anaerob +
Peptostreptococcus micros gram +; Stäbchen anaerob +
Streptococcus intermedius gram + ; Stäbchen anaerob +

-

   Verfahren zur Parodontitiserkennung

Parodontitis und Allgemeinerkrankungen – wo stehen wir? (ZBW, 2017)

 Parodontitistherapie – was gibt es Neues  (ZBW, 2017)

Barmer Zahnreport 2017 - „Spät“ heißt nicht selten „zu spät“ (ZBW, 2017)

Parodontitistherapie - Zurzeit keine evidenzbasierten Belege (ZBW, 2017)

Mikrobiologische und systemisch-immunologische Faktoren -  Ernährung und Parodontitis (ZBW, 2017)

S2k-Leitlinie zu oropharyngealen Aphthen und aphthoiden Läsionen - Aphthen – Update zu Diagnostik und Therapie (zm, 2017)

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[ Autor: Dr. Klaus de Cassan ]    "> [ Anfragen ]
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